Landesflucht nach Nicaragua

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Nein, ich wurde nicht aus Costa Rica vertrieben oder musste auch nicht vor dem Gesetz fliehen. Eher gab mir das Wetter den letzten entscheidenden Klaps auf den Hinterkopf. Regen im Nebelwald gehört natürlich dazu. Aber wenn jeder Berg, den ich besteigen oder zumindest umwandern will, in einer dicken Wolkenhaube verborgen ist und da ich meine Regenjacke und Regenhülle für den Rucksack nicht noch mehr strapazieren wollte, konnte ich wirklich eine kurze Auszeit von diesem Wetter gebrauchen.

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Von Santa Elena ging es also wieder mit dem Bus Richtung Südwesten, bis der Knick auf die Panamericana gen Norden abzweigt. Als erstes sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ich mir unter einer Autobahn eine durchgängige Straßenführung und Ausbau vorgestellt habe.
Dies war wirklich nicht der Fall. Es wurde an allen Ecken und Enden gerade gebaut, so dass es ein fröhliches Geschaukel wurde, stehend in einem übervollen Bus. Meinen Kopf konnte ich an die an der Decke montierten Handgriffe lehnen, wenn er nicht dank einer Bodenwelle beinahe durch das Dach gerammt wurde. (Hierzu gibt es leider keine Bilder, da ich genug damit zu kämpfen hatte, nicht KO zu gehen)

Die vor mir liegende Grenze ist ein kleines Chaos für sich allein. Ungefährer Ablaufplan wie folgt – könnte jedoch durch aktive Verwirrung durch Beamte und Einheimische, die Langeweile plagt, verfälscht sein:
Anstellen, Zettelchen ausfüllen, vorher aber bitte nicht vergessen Ausreisegebühr (7 Dollar) zu zahlen! Also wieder zurück. Wo ist das verfluchte „Grüne Haus“? Ah diese Wellblech-Schachtel? Gut.
Dann Stempel von der Damen hinter dem Schalter kassieren. Tschaka. Einmal ums Häuschen rumlaufen, während alle Beamte einen zu beobachten scheinen. Erneut Zettelchen ausfüllen (würde es jemand merken wenn ich mit Donald Duck unterschreibe?) und an den Schalter. Geld wechselt seinen Besitzer und ein Teil wandert in die Tasche des Beamten. Ich bekomme einen neuen Stempel und meinen Pass zurück. Ein kurzes gegenseitiges Nicken und ein knappes Adios. Geschafft!

 

HALLO Nicaragua

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Während der Einreise lerne ich ein älteres französisches Pärchen kennen, das offensichtlich ebenso begeistert ist wie ich über diesen einfachen und verständlichen Ein-/Ausreise-Ablauf *Ironie Glocke*.
Zusammen mit Ihnen geht die Reise in einem Bus Richtung Rivas weiter. Die Luft ist schwülwarm. Sobald man das Grenzgebiet verlassen hat, merke ich den Unterschied zu Costa Rica. Das Land ist ärmer, die Leute mehr durch die Karibik angehaucht. Überall spielt laute Musik. Nur die große Anzahl an Windrädern, die als stille Beobachter das bisher aufgekommene Flair sprengen, nehmen mir etwas den Wind aus den Segeln. 51_RTW_NIceragua_Landesflucht02

Rivas soll nun für diese Nacht unser zu Hause sein. Morgen geht es weiter auf die Inseln Isla de Ometepe. Ein Abend Zeit bleibt um die Gassen zu erkunden. Die Stadt trifft stark meine Vorstellung von Kuba. Offene Fenster aus denen Musik schallt, alte Menschen sitzen auf Stühlen auf den Straßen und lachen oder spielen Brettspiele. Die Farbe löst sich von den bunten Fassaden der Häuser.
Mein Hostel wird von mehreren alten Damen geleitet. Die natürlich auch direkt am Eingang Wache sitzen, um hinter Ihren dicken Brillengläsern ja nichts vom Straßengeschehen zu verpassen. Laut knackt der Fernseher im Hintergrund dank spanischer Seifenopern. Lydias Hostel. Betuchte alte Damen, die mich fröhlich mit Spanisch überfluten. Die Zimmer sind einfach, der Innenhof gepflegt. Als Durchreisemöglichkeit wirklich angenehm. Trotzdem freue ich mich weit mehr auf die Tage auf den Inseln.

Nach der Beschreibung ist es eine „Insel mit zwei Bergen„… und einem wunderschönen Strand?
Und wer hat da nicht sofort Jim Knopf und Frau Malzahn im Sinn? Augsburger Puppenkiste? Kindheitserinnerungen werden wach.
Ich bin gespannt, ob es zutrifft.

Jetzt heißt es Zähne putzen und auf ins Abenteuer.

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Euer Jan.

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1 Comment

  • Reply
    Sarah
    16. September 2014 at 21:06

    Die Einreiseprozedur klingt echt super :D.Kann fast mit meiner desaströsen Einreise nach Mexiko damals mithalten…

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