Ist Phnom Penh Kambodschas Wilder Westen?

 Phnom Penh Schulkinder auf dem Heimweg

Die Hauptstadt so groß, so wirr, so dreckig.

Ich wurde von anderen Reisenden vor dieser Stadt gewarnt. Es war die Rede von einem besiedelten Müllberg, dem unschönsten Ort Asiens und sogar von Kambodschas Wilden Westen. Für mich klang diese Stadt mit einem Mal wirklich interessant. Was erwartet mich dort? Asiatische Colt-Träger die sich zum Glockenschlag über denn Haufen schiessen? Pferdekutschen, Saloontüren und staubige Straßen?

Angekommen lasse ich die Stadt voll auf mich wirken und suche nach den Anzeichen für all diese negativen Eindrücke, die sich bei den Bekanntschaften eingebrannt hatten.

Heiße Luft drückt auf meine Lungen, während ich durch die Straßen streife. Zu sehen gibt es alte Häuser, deren Fassaden mit Moos, Ruß und anderem Dreck bedeckt sind. Die Menschen sitzen im Schatten der Bauten, fahren auf quälenden Rollern oder TukTuks durch die Straßen oder schlafen in Hängematte zwischen Laternenmasten. Der Schmutz am Boden verteilt sich mit jedem Windhauch mehr und findet erst an Ecken und Kanten der Gebäude eine Ruhestätte.

Farbenfrohes Kambodscha

  Bei Tag stinkt es, da die Sonne die Abfälle erwärmt.
Gemischt mit den Abgasen ergibt es ein fröhliches abstoßendes

Parfum der Großstadt.

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Nachts sieht man Straßenstände, die Essen, Klamotten und Co verkaufen, gefakte Adidas Caps und Nikesocken. Qualität überaus schlecht. Aber niemand kümmert es. Doch man sieht auch – vor allem wenn man von den touristischen Gebieten weggeht – Gestalten die nachts in Haufen von Müll sitzen und ihn beim Schein der Strahler der Autos oder Müllwagen sortieren. Man sieht Frauen mit Mundschutz, die Kohle von Schubkarren in Eimer füllen, während ihre Kleinkinder auf dem Karren schlafen.
Man sieht alte Männer, die mit Sonnenbrille Schweißarbeiten durchführen, junge Männer, die im Kreis sitzen, rauchend trinkend und wild einem Glücksspiel am Boden wetteifern.  Bettler und Arme, die durch die Straßen ziehen, auf der Suche nach einem Platz oder etwas Nahrung.

Das ist PENG PENG.
Phnom Penh.

Kambodschas Hauptstadt.
Asiatischer Wilder Westen?

Phnom_Penh Eigentarten

Interessantes Volleyballfeld & kleiner Junge der die Fahrt genießt

Ich bin sehr gespannt, ob hier in 10 Jahren immer noch
Plastiktüten wie kleine Tumbleweed-Büsche in Wild-West Geisterstädten durch mein Blickfeld geweht werden.

Für Urlauber, die noch keine asiatische Großstadt erlebt haben, wird dies ein kleiner Kulturschock sein und selbst Langzeitreisende erzählten mir, wie unangenehm diese Stadt auf sie wirkte. Egal, wie nett die Bereiche am Fluss gestaltet sind, die Fülle an Bars und Restaurants, die Maske, die sich die Stadt versucht aufzusetzen – sobald man aber hinter diesen Vorhang sieht, erkennt man sofort, wie sehr diese Stadt zu kämpfen hat. Vergangenheit, Armut, Übersiedlung und Dreck.
Von wildem Westen habe ich nicht sonderlich viel finden können. Manchmal hat es mich eher an ein verdrecktes und farbloses Bangkok erinnert, heruntergekommen und ein liebloser Nutzgegenstand. Bleibt zu hoffen, dass Ihr die Bewohner, die nachdem die Großstadt während der roten Khmerzeit einer Geisterstadt glich, Ihr zukünftig ein angenehmeres Flair einhauchen werden.

 

Phnom Penh Straßen

Schönen Abend Asien, du facettenreiche Wildnis.
Dein Jan .

Wer möchte noch schnell etwas zu Essen mitnehmen?
Eine Suppe vielleicht?

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